Donnerstag, 15. April 2021

Rebekka Endler: Das Patriarchat der Dinge

Werbung//Rezensionsexemplar
"Das Patriarchat der Dinge" von Rebekka Endler ist am 12. April 2021 im DuMont Verlag erschienen. Das E-Book umfasst etwa 288 Seiten und wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Inhalt

Der Mann ist das Maß aller Dinge. Wortwörtlich.

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In ›Das Patriarchat der Dinge‹ öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen das für Frauen hat. Unsere westliche Medizin ist beispielsweise – mit Ausnahme der Gynäkologie – auf den Mann geeicht. Von Diagnostikverfahren und medizinischen Geräten bis hin zur Dosierung von Medikamenten. Aber auch die Dummys für Crash-Tests sind am männlichen Körper ausgerichtet und damit das ganze Auto samt Airbags und Sicherheitsgurten. Der öffentliche Raum ist ebenso für Männer gemacht: Architektur, Infrastruktur und Transport, sogar die Anzahl öffentlicher Toiletten.

Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte gut zu bedienen? Für wen ist das Internet?

Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.

• Was haben Gerichtsroben und Fußballschuhe gemeinsam?
• Warum tragen große Straßen und Chefsessel männliche Namen?
• Wieso kommen auf acht Toiletten für Männer im öffentlichen Raum nur vier für Frauen?
• Warum wissen wir so viel mehr über den Penis als über Vulva und Klitoris?

Meine Meinung

Dieses Buch lieferte mir neuen und leicht anderen Input, als die bisherigen Bücher, die ich zu dem Themengebiet bisher gelesen habe.
Hier geht es hauptsächlich um Dinge, wie zum Beispiel Sportschuhe, Arbeitskleidung, Autos und vieles mehr. Diese sind in den meisten Fällen von und für Männer designt worden. Die Version für die Frau ist meist einfach nur eine kleinere Version, ohne auf den weiblichen Körperbau einzugehen. Wie so oft ist es teilweise aber auch Absicht (zum Beispiel Unterdrückung durch weniger/kleinere/keine Taschen in Kleidung) oder (vermeintlich) nicht rentabel für (männliche) Investor:innen. Die Autorin bringt nicht nur sehr viele Beispiele, sondern erklärt auch viel zu den geschichtlichen Hintergründen und Entwicklungen und spricht mit Expert:innen darüber.
Es geht beispielsweise auch um das Verletzungsrisiko im Auto für Frauen, die Gegebenheiten auf dem Bau oder in der Landwirtschaft, die Beschaffenheit von Flugzeugcockpits, Studien und Wirkung zu Medikamenten und insgesamt jede Menge Bereiche, bei denen Frauen nicht mitgedacht oder (in der Vergangenheit) absichtlich unterdrückt werden.
Auch der Blick abseits der weißen cis Frau kommt nicht zu kurz und so finden Rassismus und Ableismus und LGBTIQA+ einen Platz in dem Buch.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, weil der Text, auch durch den spannenden Inhalt, nicht zu trocken daher kommt. Die vielen praxisnahen Beispiele ließen mich oftmals staunen und, wie auch schon bei anderen ähnlichen Büchern, wütend werden. Am liebsten würde ich alle darauf hinweisen, wie ungerecht es in der Welt zu geht. Und ich bin mir schmerzlich bewusst, wie viele Privilegien ich genieße, die so vielen anderen Menschen verwehrt sind.
Ich möchte auch meinen Teil dazu beitragen, indem ich beispielsweise das Thema Gendern in meinen eigenen Sprachgebrauch integrieren möchte und bin für jede*n dankbar, der oder die mich darauf hinweist, wenn ich es vergesse.
Ich werde mich weiter mit Büchern oder Dokus und auf sozialen Netzwerken bilden und interessante Beiträge teilen, um auch unter meinen Follower*innen Bewusstsein zu schaffen.
Ein Buch, dass ich weiterempfehlen kann.

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